Das Rehmsche Haus war im kleinen Städtlein Aue, das 1697 93 Häuser aufwies, worin in allem 229 erwachsene Personen wohnten, ein Anziehungspunkt besonderer Art. In ihm befand sich im Obergeschoss des Gebäudes eine Stube mit reichem Barock-Schnitzwerk. 1000 Gulden soll Rehm dem aus Nürnberg gerufenen Künstler – sein Name ist nicht bekannt – und dessen Handwerkern gezahlt haben, weshalb man hinfort das Zimmer die „Tausendgüldenstube“ nannte. 1848 wies ein Landschaftsschilderer ausdrücklich darauf hin, dass der Fremde nicht vergessen sollte, diese Seltenheit in Augenschein zu nehmen. Über die Ausgestaltung der „Tausendgüldenstube“ wird in der stadtgeschichtlichen Literatur folgendes berichtet:

Der Raum, in dem ein geräumiger Erker die Ecke bildete, war 10m lang und 8m tief. Er war völlig mit dem Alter gedunkelten Nussbaumholz verkleidet. Die Wände waren durch flache, reich geschnitzte Pfeiler in einzelne Felder geteilt. Auch an Türen und Fenstern befanden sich Pilaster, die mit bärtigen Landsknechtsköpfen und Engelsfiguren versehen waren. Die Türfüllungen waren mit Schnitzereien geschmückt. Die Decke war eine Kassettendecke. Auf jedem Kreuzpunkt der Vierecke stand ein rosettenartiger Knopf und in der Mitte der Felder ein erhabener geschnitzter Engelskopf. Die Deckentäfelung war seitlich verschränkt. Auch der Fußboden war getäfelt. In dem Raum stand ein Kachelofen. Dahinter war in die Wandfläche ein sitzender Dudelsackpfeifer geschnitten, der plastisch hervortrat. Nach damaliger Sitte befand sich an einer Seite eine Waschvorrichtung mit der Schrift: Waschet Euch! Reinigt Euch! Über der Waschvorrichtung befand sich ein Engelskopf.

In der Tausendgüldenstube wurden gelegentlich Sitzungen des Bergamtes abgehalten, das bisweilen zur Erledigung bergbaulicher Angelegenheiten von Schneeberg nach Aue herüberkam.

1680 tagten darin die Abgeordneten der erzgebirgischen Städte. Hier soll auch der sächsische Landesfürst abgestiegen sein, wenn er zur Jagd im Erzgebirge weilte.